Montag, 29. Januar 2007

(K)ein Witz

Wie viele Kambodschaner braucht man, um eine Gluehbirne zu wechseln ? Vier - und drei Tage Zeit!
Was wie ein Witz anfaengt, wird wohl nicht mehr so richtig komisch, denn es ist tatsaechlich der Ernstfall eingetreten:

Hatte ich letzten Freitag auf einmal kein Licht mehr, musste irgendwie die Gluehbirne gewechselt werden.
Ich sagte meinem Vermieter bescheid (alleine, ihm ohne Englisch zu benutzen, zu erklaeren, dass die Lampe nicht mehr ginge. Puh, zum Glueck kam eine Passantin vorbei, die gebrochen englisch sprach) und er beschloss, sich der Angelegenheit anzunehmen.
An jenem Tag passierte dann auch leider nichts mehr.

Am naechsten kam er zu uns in die Wohnung mit einer Zange und einem Schraubenzieher. Seltsamer Weise probierte er nicht aus, die Gluehbirne zu wechseln, sondern schraubte den Lichtschalter ab und riss saemtliche Kabel aus der Wand.
Selbstverstendlich schaffte er es nicht, diese wieder hinein zu loeten, geschweige denn, die Lampe zum Funktionieren zu bringen, und liess die restlichen Kabel fuer die Nacht offen in der Wand.

Sonntag frueh kam dann endlich ein "Elektriker" und die Tochter des Vermieters, die ein wenig Englisch sprach, und es wurde versucht, die Gluehbirne zu wechseln.

Der Spass dauerte drei einhalb Stunden und hat zur Folge, dass die Draehte alle zusammen geknotet wurden und somit wann immer der Strom ueber die Sicherung angestellt wird, der Sicherungskasten raucht und stinkt.
Ich hoffe, die Wohnung steht noch, wenn ich heute von der Arbeit komme...

Und wer jetzt denkt, dass dies ein einzelner Ausnahmefall sei, der irrt, denn so etwas passiert hier taeglich. Kambodscha ist keinesfalls ein Land fuer Perfektionisten... *Grummel*

14 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

das ist nicht witzig, sondern geschmacklos

Tobi hat gesagt…

Ja, mag sein, dass es nicht unbedingt das Freundlichste ist, was ich ueber dieses Land geschrieben habe, aber wenn mir beinahe die Bude abbrennt, nur weil die Leute es nicht schaffen, die Gluehbirne zu wechseln (oder nicht in der Lage sind, jemanden zu fragen, der es kann), regt es mich schon ein wenig auf. Und wie gesagt, so etwas passiert hier andauernd.
Woran das nun liegen mag - und dass die Leute dafuer haeufig nichts koennen, dass beispielsweise die Bildungsmoeglichkeiten nicht da sind, ist natuerlich eine ganz andere Sache.
Und dass man sich darueber nicht lustig macht, ist natuerlich richtig. Ich bleibe aber dennoch bei meiner Meinung, dass man in Kambodscha viele Dinge einfach locker nehmen muss, denn vieles funktioniert einfach nicht.
Ob das nun eben beinhaltet, dass man frueh morgens mit nem Kabelbrand im Wohnzimmer aufwacht, muss wohl jeder selber entscheiden. Ich fands jedenfalls eher bedenklich...

Anonym hat gesagt…

Ich habe das ganze überhaupt nicht als Witz verstanden, sondern als Schlaglicht auf die Lage im Land nach drei Jahrzehnten Krieg. Wenn von Pol Pot nahezu alle Lehrer ausgerottet worden sind, muss man sich nicht wundern, dass es an allen Enden selbst an minimaler Bildung mangelt. Es fängt ja schon damit an, dass ein Land mit jahrhundertealter Schriftkultur eine derart immense Quote an Analphabeten hat -- von technischen Kenntnissen gar nicht zu reden. Ist es geschmacklos, das auszusprechen? Ich meine nicht. (Da gibt es ganz andere Kommentare in diesem Blog...)

Andreas hat gesagt…

Ich weiß nicht - was soll man denn sonst mit Inkompetenz machen als darüber zu spotten? Um mal die chinesische Variante zu konstruieren: Kabelbrand in ihrem Zimmer? Den gibts bei uns aber nicht umsonst. (Bitte bezahlen sie erst mal ...)

Tobi hat gesagt…

Tja, das mit der Bildung ist eben doch noch ein grosses Problem. Wenn man eben nachts um drei Uhr kleine Kinder den Muell auf der Strasse sammeln sieht, fragt man sich eben wirklich, wann sie mal schlafen, geschweige denn zur Schule gehen sollen.
Da erklaert sich eben doch die Analphabetenquote von ueber 50%. Besonders, wo ich vor einiger Zeit erfahren habe, dass die Schule wohl um die 10 $ pro Monat kosten soll. Bei durchschnittlich 300$ Jahresseinkommen...
Ueberigends habe ich erfahren, dass ein gewisser Manager hier im Sender, dessen Namen ich mal lieber nicht nenne, fast 1000$ pro Tag (!) verdient. *Hust!* Krass, das sind schon Unterschiede zwischen reich und arm!!!
Dass es aber auch einige Verplaner gibt, ist unbestritten. Unser Vermieter (auch noch Polizist - Ohne Worte!) heatte eben einfach mal fuer etwa 5000 Riel (etwa 1 Euro) einen richtigen Elektriker holen sollen. Denn dort aus Geiz alles selber zu versuchen hat nicht nur ausser Kosten nichts gebracht. Dies tat auch gar nicht mal Not, bekommt er doch garantiert genuegend Geld. Immerhin vermietet er mehrere Wohnungen (fuer mehrere hundert $ pro Monat) an Touristen. Und da ist es dann eben doch schon ein klein wenig Dummheit des Einzelnen, und ueber diese kann man sich dann vielleicht doch ein wenig beklagen, oder?

Anonym hat gesagt…

ach 1 Euro-Jobber gibts bei euch auch;) nee, ein eletriker wäre angebracht und wie du sagst hätte das sicherlich folgekosten erspart.
Ich hab wohl als letztes mitbekommen wo du grad bist, nämlich grad erst. und dann habe ich mich belesen und einen eindruck habe ich nu auch. dann behalte den sicherungskasten im auge und machs gut!

Unknown hat gesagt…

Hey Tobi,
hätte ich gewußt dass du in Kambodscha bist, hätte ich glatt mal Geld gespart um dich zu besuchen =).
Die Fotos (gerade die letzten) sind Klasse. Und das wo ich doch so gerne Fotografiere. =). Wenn du mal Muße hast: galerie.z-e-a-l.de

Da wird das mit dem Eislaufen wohl nichts =(.

Aber vielleicht liegt im April ja zufällig noch ein Fleckchen Schnee rum.

Verlier die Lust am Bloggen nicht (eigentlich mag ich ja keine Blogs aber der hier ist nett ;).

Gruß aus dem eisigen Berlin,
der Sven

Anonym hat gesagt…

ich fasse zusamen: dass tobis vermieter die gluehlampe nicht wechseln konnte, liegt an dessen mangelnder bildung. dass er kein englisch sprechen kann auch. an bildung mangelt es auf grund der politischen situation. wer keine bildung genossen hat, ist inkompetent.

allerdings: auch "wir europaeerInnen" lernen das wechseln von gluehlampen aeußerst selten in der schule (ist kein kambodschanisches phaenomaen), nicht alle europaeerInnen sind anderen menschen gegenueber wohl gesonnen (raffgierige vermieter gibt es ueberall) und auch in europa gibt es menschen, die die "europaeischen zustaende" kritisieren (mit an sicherheit grenzender wahrscheinlichkeit finden auch "die kambodschanerInnen nicht alles super, was in ihrem land passiert).

vielleicht also sind "schusselige" und "inkompetente" kambodschanerInnen gar nicht so anders als "perfektionistische" europaeerInnen.

@willy: ich denke, die differenz zwischen persoenlich-anzueglichen und generalisierend verurteilenden kommentaren ist auf grund ihres jeweiligen bezugspunktes klar.

Andreas hat gesagt…

Huch, müsste es im letzten Kommentar nicht "raffgierige vermieterInnen" heißen?

Hey Tobi, was los? Bist Du jetzt wirklich Lost in Kambodscha? Oder kommst Du vor lauter Arbeit nicht zum bloggen?

Tobi hat gesagt…

Hmm, na, ein wenig zu tun gibt es hier schon und darum dauert es mal wieder ein wenig, den Blog zu schreiben. Vielleicht naechste Woche.
Hoffendlich finde ich bis dahin einen Pressesprecher, der meine Kommentare in weniger verfaenglichen Worten zusammenfaesst, als ich es jetzt vermochte. Ich hab jedenfalls nicht die Nerven, jetzt fuer jeden Kommentar ueber Kambodschaner, Politik, Bildung oder Polizisten ewig Rechenschaft abzulegen.

Andreas hat gesagt…

Hey, wenn Du das brauchst, das Dich aufheitert, schau Dir dieses Bild hier an: http://img125.imageshack.us/img125/6233/avnachwuchsxj3.jpg

Anonym hat gesagt…

ach tob lass dich net argern ..... komm gesund wieder zuruck und dann iss gut

Anonym hat gesagt…

Im Vergleich zu dem, was in diesem Land sonst so abgeht, scheinen diese Vorfälle tatsächlich eher belanglos zu sein. Ich sag nur: "Welcome to the Rape Camp".
(http://www.uri.edu/artsci/wms/hughes/rape_camp.pdf)

Anonym hat gesagt…

Hallo Tobi. Hey..wie ist es Dir denn so ergangen? Du hast nun schon fast einen Monat nichts mehr hier hin geschrieben. Viel zu tun?
Hoffe es geht Dir gut.
Liebe Grüße
Nicole