So, da habe ich doch glatt den Internetladen in Kampot, einem kleinen Ort, etwa 140 Kilometer sued-westlich von Phnom Penh, gefunden. Eigentlich schon ein kleines Wunder, dass in einem solch kleinen Ort so etwas existiert...
Der erste Tag unserer Rundreise durch das Land verlief recht ruhig (bis auf die Hinfahrt mit durchschnittlich 90 Meilen durch Dschungel und Kuhherden...) und so sahen wir uns ein wenig den Ort hier an und fuhren im Anschluss zum "Phnom Slaptan" - einem Berg mit vielen Hoehlen, in welche wir auch gleich kletterten. Allerdings war mein (geschriebener) Reisefuehrer da recht optimistisch, weshalb sich "die kleine Klettertour"dann als 3 Meter hohe Steinwaende hinauf und hinunter klettern erwies. Ich weiss nicht, wie oft ich mich bei dem Einheimischen Fuehrer bedankt habe, dass er mich da durchgeschleift hat. Ansonsten haette ich wohl kaum diesen Blog weiterfuehren koennen. (Internet gabs in der Hoehle nicht!)
Ben hat es leider nach diesem Trip zerlegt. Nein, nicht, dass er noch in der Hoehle steckt, aber er scheint sich irgend eine sonderbare "Erkaeltung" zugezogen zu haben. Jedenfalls liegt er jetzt gerade im Bett und schlaeft. Ob wir morgen wie geplant in den Bokor Nationalpark fahren koennen, ist ungewiss.
So weit also zu unserem ersten - und hoffendlich nicht letzten - Tag der Rundreise. Es waere untroestlich, wenn Ankor Wat ausfallen wuerde!!!
Der gestrige Tag war auch ein Ereignis, welches ich mir nicht nehmen lassen wollte: Eine kambodschanische Hochzeit. Unglaublich, wie viel Musik, Tanz und Essen da aufgeboten wurde. Jedenfalls wohl kaum mit einer deutschen Hochzeit zu vergleichen.
Alles hat diesen sonderbaren buddhistischen (?) Stil, immer ein Geben an den Anderen, Apsara-Tanz, irgend ein fuer mich nicht zu durchschauender Khmertanz, dessen scheinbar rythmuslose Musik und Gestik nur schwer zu erlernen ist.
Die Fotos kann ich ja vielleicht mal irgendwann mal zeigen. Es geht ein wenig ins Geld, aber von einigen Bildern kann ich ja vielleicht mal digitale Abzuege machen, dann seht ihr wenigstens, wie es hier aussieht.
Tatsaechlich sind wir noch immer von diesem Land begeistert. Es ist, als wuerde man durch das Set eines dieser Vietnamkriegsfilme laufen. Auf der einen Seite sind da ueberall Palmen, Sonne, weite Ebenen, eine schoener als die andere, zum Anderen sind die Steadte und Haeuser wohl immernoch aus jener Zeit (und reichlich demoliert). Auf den Strassen gibt es ueberall kleine Maerkte und brennende Muellhaufen...
Doch wie ich schon meinte, die Menschen sind sehr freundlich. Manchmal ein wenig zu freundlich, was mich besonders dann jedenfalls stoert, wenn man Abends in Phnom Penh etwas unternehmen will. Anscheinend gibt es niemanden, der Abends nicht (mit Alkohol und anderen lustigen Drogen) feiert bis er umfaellt. Regulierungen, den Drogenkonsum und -Verkauf einzuschrenken, sind wie die Verkehrsregeln ein Witz. Will einen die Polizei anhalten, faehrt man entweder einfach weiter, zahlt ein paar Dollar Schmiergeld oder faengt einfach eine Schlaegerei an. (Ob ich das in Deutschland auch mal so probiere?)
Das betrifft besonders meine Mitarbeiter, was mich als wohl weniger (klassischen) partyfreundlichen Menschen, auf die Dauer ein wenig nervt, wuerde ich auch gerne mal etwas anderes unternehmen, als jeden Abend in diese dunkeln Spilunken abzusteigen.
Und genau da trifft man auch wieder auf jene Klichees, die einem im Kopf herumgehen.
Ganz besonders bei der Prostitution (jedes Geschlecht und Alter ist wohl fuer wenige Dollar zu bekommen) ist dies zu spueren, wenn praktisch jede Frau in Cafés nur als Angestellte des Hauses - im lockeren Fall den Bierkonsum, im nervigeren Fall durch Prostitution - Geld verdienen soll. (Gute Khmerfrauen gehen um acht oder neun Uhr ins Bett!) Wir haben hier die Bars in vier Klassen eingeteilt.
Klasse 1 steht fuer trinken, massieren und streicheln...
Offenbar haben sich alle ausser mir an diese sonderbare Situation gewoehnt, rechtfertigen es mit dem Lebenswandel, der Kultur in diesem Land, was mich nicht wirklich in dieses System integriert. *grummel*
Und so kommt in mir doch trotz der vielen schoenen und beeindruckenden Momente auch oft genug ein gewisses Gefuehl von Heimweh auf und ich denke sehr oft an euch und wie es bei euren niedrigen Temperaturen im Winter wohl so geht. Ich bin jedenfalls schon recht braun geworden und ein Ende ist nicht abzusehen...
So weit zu der ersten Woche in Kambodscha.
Macht es gut Ihr Lieben!
Gruesse aus dem (zu)sonnigen Kampot,
Tobi